Robbie und der Chardonnay

Wein und Musik

Die musikalische Note im Wein – Copyright by Flickr/Kurverwaltung Meran|o Azienda di Soggiorno

Heute geht es um den Zusammenhang zwischen Musik und dem Geschmack des Weins – ein spannendes Thema!

Der chilenische Weinhersteller Aurelio Montes führte in Zusammenarbeit mit schottischen Wissenschaftlern der psychologischen Fakultät der Universität Edinburgh eine aufschlussreiche Studie zum Thema Wein und Musik durch. Die Feldstudie untersuchte, in welchem Maße Musik das subjektive Geschmackserlebnis beim Weintrinken beeinflussen kann.

Zu diesem Zweck wurden insgesamt 250 Probanden vom Campus der Universität rekrutiert und erhielten jeweils ein Glas Wein, im Gegenzug zur Beantwortung einiger Fragen über den Geschmack des Weines. Die Testpersonen tranken den Wein jeweils in einem von fünf verschiedenen Zimmern, dass jedes mit einer anderen Musik beschallt wurde. Daraufhin wurden sie darum gebeten, den Geschmack des Weines nach festgelegten Parametern zu bewerten.

Der Leiter der Studie, Professor Adrian North, stellte nach Abschluss der Befragung fest, dass ein eindeutiger Zusammenhang zwischen der Musik und dem Geschmackserlebnis besteht. So sorgt ein kraftvolles Musikstück, wie etwa Car Orffs „Carmina Burana“ dazu, dass auch der dazu getrunkene Cabernet Sauvignon zu 60% kräftiger und reicher wahrgenommen wird, als wenn im Hintergrund keine Musik erklingt. Ebenso erscheint ein Chardonnay zu 40% frischer, wenn im Hintergrund Popmusik – wie etwa Robbie Williams „Rock DJ“ läuft.

Die theoretische Grundlage der Studie basiert auf der so genannten „cognitive priming theory“. Diese geht davon aus, dass durch Musik bestimmte Areale des Gehirns stimuliert werden. Trinkt man dazu noch Wein, sind die Hirnregionen bereits durch die Musik aktiviert und das subjektive Empfinden überträgt sich auf den Wein.

Als passende Musik für Cabernet Sauvignon empfehlen die Wissenschaftler Jimi Hendrix Klassiker „All Along the Watchtower“ und „Won’t get fooled AGain“ von The Who. Chardonnay hingegen eignet sich besonders gut zu Robbie Williams „Rock DJ“, „Spinning Around“ von Kylie Minogue“ und „Atomic“ von Blondie. Ein Merlot schließlich lässt sich am besten zu den Klängen von Lionel Ritchies „Easy“ oder Otis Reddings „Sitting On the Dock of the Bay“ genießen.

Der Studienleiter sieht sich durch das Ergebnis der Untersuchung darin bestätigt, dass die Auswahl von Musik das Verhalten der Menschen beeinflussen kann. Dies war für ihn auch nichts neues, denn in einer vorherigen Studie hatte North bereits den Einfluss von Musik auf die Wahl von Käufern im Supermarkt untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass die Konsumenten bei deutscher Blasmusik eher zu deutschen Weinen griffen, während bei französischen Chansons mehr Weine aus Frankreich gekauft wurden. Durch die neue Studie konnte aber erstmals bewiesen werden, dass die Wahl der Musik nicht nur das Kaufverhalten beeinflusst, sonder sogar das geschmackliche Erlebnis selber.

Weinhändler können aus diesem Ergebnis ganz neue Ansätze für ihre Marketingstrategien finden. So können etwa Winzer gleich passende Musikempfehlungen auf die Etiketten drucken und Restaurants passende musikalische Untermalung für den Hauswein aussuchen.

Auch der chilenische Weinhersteller Aurelio Montes  ist bereits darum bemüht, die Ergebnisse der Studie zur Verbesserung der eigenen Weine zu nutzen. Daher werden die Weine nicht nur in einem Feng-Shui optimierten Weinkeller lagern, sondern dürfen darüber hinaus auch noch zu den Klängen von  gregorianischen Chören ihre volle Reife erlangen. Dadurch soll dem Wein ein ganz besonderer Charakter verliehen werden. Auch denkt das Weinhaus bereits darüber nach, musikalische Empfehlungen für seine Erzeugnisse auszusprechen.

Vielleicht sucht ihr ja das nächste Mal zum Essen neben dem passenden Wein auch die passende Musik dazu aus. Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen!

Viele Grüße,
euer Paul

Abgespaced: Meteoriten-Wein

Für Freunde besonders ausgefallener Genüsse bietet sich das folgende Fundstück an: ein abgespaceder Wein mit Meteoritengeschmack. Tatsächlich ist es einem Weinbauern aus Chile gelungen, seinen Wein mit Meteoritenbruchstücken zu verfeinern, die mehr als 4 Milliarden Jahre alt sind. Ein wahrhaft kosmischer Genuss!

Der ursprünglich aus England stammende Winzer Ian Hutchinson verbindet mit diesem Meteoriten-Wein zwei seiner großen Leidenschaften – den Weinbau und die Astronomie. Tagsüber bestellt er sein Weingut Tremonte im chilenischen Cacapoal Valley, nahe der Stadt Santiago de Chile. Nachtsüber allerdings zieht es Hutchinson in gänzlich andere Sphären.

Weinberg des Weinguts Tremonte in Chile - Quelle: http://www.tremonte.cl/wines/galeria/foto20.html

Weinberg des Weinguts Tremonte in Chile – Quelle: www. tremonte.cl

In der Nähe seines Weingutes hat der Winzer und Hobbyastronom sich ein eigenes kleines Observatorium eingerichtet, das Centro Astronomica Tagua Tagua. Von hier aus kann er nicht nur seine Weinberge überblicken, sondern hat auch eine fantastische Sicht auf den Sternenhimmel und die Planeten in unserem Sonnensystem. Eines Nachts kam ihm beim Blick ans Firmament der Einfall, seine beiden großen Leidenschaften – die Winzerei und die Astronomie – miteinander zu verbinden. Schnell war die Idee geboren, einen seiner Weine mit einem Stück kosmischem Himmelsgestein zu versehen.

Dafür kam natürlich nicht ein simpler Gesteinsbrocken in Frage. Hutchinsons setzte sich viel mehr in den Kopf, ein besonders altes Meteoritenbruchstück zu besorgen, das ursprünglich vor rund 6000 Jahren vom Sternenhimmel in die Atacam-Wüste in Nord-Chile niedergeschlagen sein soll. Unterstützt wurde er dabei von Freunden, die ebenfalls begeisterte Hobby-Astronomen sind.

Ein kalifornischer Bekannter stiftete ihm so einen Teil des gesuchten Gesteins aus seiner privaten Meteoritensammlung. Für Hutchinson war es natürlich besonders wichtig, dass die Gesteinsfragmente für seinen Meteoriten-Wein auch in Chile aufgeschlagen waren. Ebenso hätte er Meteoritensplitter aus Afrika oder Asien nehmen können, doch er wollte bei dem Gestein im Erzeugerland des Weines, Chile bleiben. Kein Wunder also, dass er über die großzügige Spende seines Bekannten begeistert war.

Ausgestattet mit diesem seltenen Gesteinsbrocken konnte Hutchinson sich an die Arbeit machen, seinen Meteoriten-Wein herzustellen. Beim Experimentieren mit unterschiedlichen Rebsorten stellt sich heraus, dass einige Weine wie Merlot oder Shiraz sich überhaupt nicht mit dem Meteoritengestein vertrugen. In der edlen Weinsorte Cabernet Sauvignon fand er schließlich jedoch das perfekte Gegenstück zum Meteoritengestein. Hutchinson legte also während des Fermentationsprozesses die Gesteinsplitter in den Fässern ein, die Cabernet Sauvignon enthielten.

Meteroit - Copyright by Wikipedia/Meteorit Recon

Meteroit – Copyright by Wikipedia/Meteorit Recon

Nach dem Ende des Fermentationsprozesses war Hutchinson begeistert von der Qualität des Meteoriten-Weins. Im Vergleich zum regulären Cabernet Sauvignon schmeckt der mit Meteoriten verfeinerte Wein erheblich besser. Allerdings traute der Winzer seinem eigenen Urteil nicht ganz und holte sich daher Zweitmeinungen von einer Reihe verschiedener Wein-Connaisseure ein. Im Rahmen einer Blindverkosten kamen diese zum gleichen Ergebnis. Der astronomische Cabernet Sauvignon wurde eindeutig als der bessere Wein bewertet. Das Projekt Meteoriten-Wein war somit ein voller Erfolg für Hutchinson.

Wer sich selber von der Qualität des kosmischen Meteoriten-Weins überzeugen möchte, kann ihn im Observatorium Centro Astronomica Tagua Tagua oder auch in Hutchinsons Weingut Tremonte bestellen. Der Preis pro Flasche liegt bei fairen 10 Dollar. Auch bei der wahrhaft astronomischen Herkunft des Meteoriten-Weins ist der Winzer beim Preis also dennoch auf dem Boden der Tatsachen geblieben. Der Space-Wein ist übrigens nicht die einzige Idee des findigen Winzers. Auf seinem Weingut bietet Hutchinson auch Unterkünfte für Besucher an, die hier Meteoriten-Massagen mit echten Gesteinsbrocken aus dem Weltalls genießen können.

Hutchinson ist nicht der Einzige, der mit seltsamen Zutaten experimentiert. Der Artikel „Was kommt rein in den Wein?“ beschäftigt sich mit den zehn schrägsten Wein-Zutaten aller Zeiten.

Viele Grüße
Paul

Back to the roots! Oder: was hat es eigentlich mit diesen Amphoren auf sich?

Seit einiger Zeit stoße ich immer wieder Im Netz und in der einschlägigien Fachliteratur auf Berichte oder Verkostungsnotizen über sog. Amphorenweine. Die einen loben diese Weine in den Himmel, die anderen meckern über die erdigen Töne. Amphorenwein klingt immer ein wenig nach Mittelaltermarkt wie ich finde, und deswegen möchte ich jetzt an dieser Stelle einfach mal informieren, was es mit diesen Amphorenweinen auf sich hat.

Amphorenweine werden auch als Quevri-Weine bezeichnet, da die Amphoren ursprünglich aus Georgien stammen, wo sie eben als Quevri bezeichnet wurden. Die Quevris sind riesige Tongefäße, innen mit einer Schicht aus Bienenwachs ausgekleidet, um die allzu großen Poren zu verschliessen. Die Quevris werden nach der Ernte mit den entrappten Trauben gefüllt und vergraben! Ja wirklich, man vergräbt diese riesigen Tongefäße unter der Erde und überlässt sie dann quasi sich selbst. Innerhalb der Tongefäße fangen die Trauben langsam aber sicher an zu gären.

Copyright by Wikipedia/Traubenberger

Mögliche Größe eines Quevri – Copyright by Wikipedia/Traubenberger

Innerhalb von etwa einem halben Jahr werden die Trauben zu Wein. Man spricht deswegen auch von „Weinwerdung“ anstatt von „Weinbereitung“, da der Mensch hier gänzlich wenig zutut, um den Wein enstehen zu lassen. Die Temperatur und der Sauerstoffgehalt ist unter der Erde konstant gleich. Durch den Ton gelangt grade so viel Luft an die Trauben, dass es für eine sanfte Mikrooxidation ( kontinuierliche Zugabe von Sauerstoff zur Farbstabilisierung und Gerbstoffverfeinerung) ausreicht. Durch den ständigen Kontakt zu den Traubenschalen werden gänzlich alle Polyphenole und Farbstoffe aus den Trauben ausgelaugt. Das Ergebnis ist laut den Beschreibungen ein so ganz anderer Wein, als es der mitteleuropäische Gaumen gewöhnt ist. Mit den konventionell hergestellten Massenweinen hat der Amphorenwein kaum etwas zu tun. Zudem ist er, auch geöffnet und dunkel und kühl gelagert, Monate haltbar, so stabil soll er wohl sein. Welcher Wein kann das schon von sich behaupten?! Dieser Wein schmeckt wie Wein, den es vor Jahrtausenden schon gab. Geschichte pur!Ich finde diese altertümliche Art der Weinbereitung hoch interessant. Manchmal ist weniger eben mehr.

Entstanden ist diese älteste Art der Weinbereitung wohl gleichzeitg mit der Entwicklung der Töpferskunst. Im Neolithikum begann man mit dem Vergraben der Amphoren und schon damals waren die daraus enstehenden Weine hoch geschätzt. In Georgien wird diese alte Kunst noch immer vo einigen Winzern betrieben, und auch im Rest Europas gibt es mitlerweile einige Winzer, die Amphorenwein herstellen. Der biodynamisch arbeitende Winzer Bernhard Ott aus Österreich beispielsweise, oder Josko Gravner aus Italien. Ein großes Problem ist jedoch die Verfügbarkeit der Quevris. Nur wenige Töpfer beherrschen die Handwerkskunst, die riesigen Gefäße herzustellen. In Georgien sind es scheinbar lediglich noch 5 Menschen überhaupt, die Amphoren herstellen können. Das erklärt dann auch die ziemlich hohen Preise und die limitierte Verfügbarkeit der Weine bei uns.

Zum Thema des biodynamischen Weinbaus passen die Weine aus den historischen Quevris extrem gut. Im Weinberg schon arbeiten die Reben autonom, werden vom Winzer nur in ihren Kräften unterstützt und gestärkt, und ebenso dann in der Amphore. Back to the roots also!

Wenn ich die Gelegenheit bekomme, dann werde ich definitv einen Amphorenwein probieren, dieses Geschmackserlebnis und diese Rückführung in vergangene Zeiten will ich mir nicht entgehen lassen.