Es ist wieder Federweißer-Zeit

Kaum wurden die ersten Weinreben gelesen, ist es auch schon wieder soweit und die Federweißer-Zeit beginnt. Hier in Mainz sind sie im Moment an jeder Ecke zu finden, kleine Buden die neuen Wein, den sogenannten Federweißer verkaufen. Und auch in vielen Gaststätten und auf den vielen Weinfesten bekommt man hier um diese Jahreszeit traditionell Federweißer und Zwiebelkuchen. Eine Kombination an die ich mich erst gewöhnen musste, mittlerweile aber für mich unwiderstehlich ist und einfach zum Herbst dazu gehört.

Jedes Jahr gegen Ende des Sommers, wenn die Luft langsam kühler wird und sich die Blätter färben, beginnt die Federweißer-Zeit. Der Federweißer ist das erste Produkt des neuen Jahrgangs, genauer gesagt frisch gepresster Traubensaft aus weißen Reben, der bereits angefangen hat zu gären. Die Saison beginnt mit der Lese der frühreifen Rebsorten Anfang September und geht bis Ende Oktober. Federweißer ist auch unter den Namen Sauser, Bitzler und Rauscher bekannt. Diese Namen beschreiben gut, was einen Federweißer ausmacht. Der süßliche Neue Wein verfügt über ein wenig Kohlensäure und bitzelt leicht auf der Zunge. Doch diese Spritzigkeit täuscht und schon so mancher wurde von Wirkung des Federweißers überrascht. Verkauft wird er meist ab einem Alkoholgehalt von 4%, der Traubenmost gärt aber immer weiter bis er circa 11% Alkoholgehalt hat.

Nicht nur der Alkoholgehalt, auch der Geschmack des Federweißers verändert sich mit zunehmender Gärung. Federweißer kann in unterschiedlichen Stadien genossen werden, je nachdem wie man ihn am liebsten mag. Wenn die Gärung des Traubensaft gerade erst begonnen hat, schmeckt der Neue Wein noch sehr süß – ähnlich wie Traubenmost, nur mit einem kleinen Bitzeln auf der Zunge. Mit zunehmender Gärung bekommt der Federweiße herbe Noten, das geht meist sehr schnell und so kann sich der Geschmack innerhalb von wenigen Stunden stark verändern. Ich kaufe immer sehr frischen Most und warte dann bis er den für mich perfekten Geschmack hat. Durch Temperatur kann der Gärprozess beeinflusst werden, Kühlung verlangsamt den Prozess, warme Temperaturen begünstigen ihn. Ist mir der Federweißer noch zu süß lasse ich ihn draußen bei Zimmertemperatur stehen, ist der Geschmack genau richtig kommt er in den Kühlschrank und wenn er schon zu sehr gegärt ist, kann man versuchen durch Mischen von frischen mit bereits gegärtem Traubensaft den richtigen Geschmack zu treffen. Zugegeben, das hört sich kompliziert an, dabei ist die Wahrheit recht einfach: Federweißer schmeckt eigentlich immer.

Glas Federweißer und ein stück Zwiebelkuchen

Federweißer und Zwiebelkuchen
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Und woher kommt der Name? Kurz nach der ersten Gärung, wenn sich der Zucker der Trauben in Alkohol umgewandelt hat, bekommt der Saft eine milchig-weiße Färbung. Zusätzlich werden die enthaltenen Schwebstoffe durch die, beim Gärungsprozess entstehende, Kohlensäure leicht durcheinandergewirbelt. Mit etwas Fantasie erinnert das an viele kleine weiße Federchen, daher stammt vermutlich der Name Federweißer. Wer darauf gekommen ist, muss dabei wohl einige Gläschen Federweißer genossen haben. In Deutschland erfreut sich der Federweißer immer größerer Beliebtheit und auch die rote Variante findet immer mehr Liebhaber. Der sogenannte Federrote wird aus roten Rebsorten, wie Dornfelder gewonnen und schmeckt etwas herber als die weiße Variante.

Zu einem Glas Federweißer esse ich am liebsten etwas deftiges. Hier in Mainz genießt man ihn traditionell zu einem frischen Stück Zwiebelkuchen, es passen aber auch gut andere herzhafte Gerichte, wie Quiche oder Flammkuchen dazu.

Viele Grüße
Paul

Was ist eigentlich Garagenwein?

Ist von Garagenwein die Rede, so werden schnell Assoziationen an billigen Wein geweckt, der sprichwörtlich in Garagen und Hinterhöfen zusammengebraut wird. Doch stimmt das wirklich?

Tatsächlich ist genau das Gegenteil der Fall. Bei Garagenweinen handelt es sich um Erzeugnisse, die von kleinen Weingütern unter Berücksichtigung von höchsten Qualitätsansprüchen hergestellt werden.

Kleine Erträge pro Hektar Anbaufläche, ein bestmöglicher Reifegrad der Weinreben, eine starke Mostkonzentration und der Ausbau in brandneuen Barrique-Fässern – all dies zeichnet den Garagenwein aus. Häufig verwendete Rebsorten sind dabei Cabernet Sauvignon und Merlot. Anstatt spezifische Terroirs besonders zum Ausdruck zu bringen, folgen Garagenweine oftmals einer mehr internationalen Stilistik.

Bereits seit den 90er Jahren kursiert der Begriff Garagenwein unter Weinkennern. Die Weine sind äußerst begehrt und kommen auf Grund der niedrigen Stückzahlen in denen sie produziert werden nur selten in den regulären Handel. Wer einen Garagenwein genießen möchte, muss dafür schon in ein Feinschmeckerlokal gehen oder eine Flasche bei einer Weinauktion ergattern. Oftmals werden hier Höchstpreise von bis zu 1000 Euro pro Flasche erzielt, manchmal sogar noch mehr.

Losgetreten wurde der Garagenwein-Trend während der 90er Jahre von prominenten und Stars, die sich in ihrer Freizeit der Weinerzeugung widmeten. Da sie nicht aus finanziellen Interesse handelten, sondern den Weinbau als reines Hobby betrieben, konnten sie den Fokus allein auf höchstmögliche Qualität legen. Diese prominenten Winzer gönnten sich Weingüter mit nur kleinen Anbauflächen und waren angespornt von der Idee, preisgekrönte Spitzenweine zu erzeugen. So wurden die Garagenweine im Handumdrehen zu begehrten Produkten für Sammler, Investoren und Kenner.

Wo genau der Trend zum Garagenwein seinen Ursprung hat, ist umstritten. Sowohl das kalifornische Napa Valley, als auch das französische Bordelais beanspruchen dies für sich. Dabei haben beide jeweils eigene Erklärungen, wie der merkwürdige Name Garagenwein zustande gekommen ist. Die Amerikaner behaupten, der Begriff würde sich von den Softwareschmieden der 70er und 80er Jahre ableiten, wie etwa Microsoft oder Intel. Diese heutigen Softwaregiganten starteten ihren Erfolgskurs ebenfalls in kalifornischen Garagen.

Nach Aussage der Franzosen hingegen soll der Name Garagenwein sich auf die kleinen Stückzahlen beziehen, in denen diese Weine produziert werden. So kann die gesamte Jahresproduktion eines solchen Mikroweingutes problemlos in einer Garage aufbewahrt werden.

Wer auch immer die Bewegung gestartet hat, die Nachfrage nach Garagenwein ist ungebrochen. Inzwischen nutzen manche Weingüter den Trend bereits, um ihre Erzeugnisse inoffiziell unter dem Label Garagenwein auf den Markt zu werfen. Dahinter steckt dann nicht mehr der hohe Qualitätsanspruch ehrgeiziger Mikro-Weingüter, sondern lediglich geschicktes Marketing. Durch die Ausnutzung des bestehenden Kultfaktors und die Suggerierung niedriger Stückzahlen soll so der Umsatz angekurbelt werden.

Auch wenn der Garagenwein ein Kultobjekt ist, nicht alle sind von dem Trendwein begeistert. Kritiker wie der Franzose Patrick Dussert-Gerber werfen dem Garagenwein vor, keine eigenen Persönlichkeit zu haben. Jeder Jahrgang würde gleich schmecken und darüber hinaus würden die Garagenweine über kein gutes Reifepotential verfügen. Bereits nach wenigen Jahren würden sie stark abbauen.

Die Fans des Garagenweins lassen sich von solcherlei Kritik dennoch nicht von ihrem Objekt der Begierde abbringen. Bekannte Garagenweine aus Frankreich sind etwa der Le Pin, Château Valandraud, La Mondotte und Marojallia.

Auch in Deutschland gibt es einige Garagenweingute… Vielleicht kommt Ihr auf den Geschmack?

Beste Grüße,

Euer Paul

Veganer Wein? Gibts das?

Verhältnismäßig viele Leute aus meinem Freundeskreis ernähren sich mittlerweile vegetarisch oder sogar vegan. Sie verzichten also auf Fleisch, Fisch oder als Veganer sogar auf alle Inhaltsstoffe, die tierischen Ursprungs sind. Stattdessen leben sie von Getreide-Produkten wie z. B. Couscous, Sojaprodukte oder Lebensmitteln auf Seitan Basis. Was genau das bedeutet, ist im Falle von Wein gar nicht so einfach, oder haben sie schon einmal von der Fischblase gehört? Als ich letztens eine Party schmiss, kam also die Frage auf, ob Veganer Wein trinken dürfen bzw. ob sie sich weiterhin Ihren Chardonnay im Supermarkt kaufen dürfen. Dürfen Sie?

Nun, Wein trinken sollte doch für einen Veganer kein Problem sein, könnte man meinen. Schließlich handelt es sich beim Wein um ein rein pflanzliches Produkt, was somit auch für Veganer geeignet sein müsste. Tatsächlich dürfen Veganer jedoch nicht jeden Wein trinken. Bei der Produktion einiger Weine werden tierische Produkte wie Gelatine oder Eiklar verwendet, etwa um die im Wein enthaltenen Tannine zu binden oder den Wein zu klären. Bei anderen Weinen hingegen wird dieser Produktionsschritt mit Hilfe von natürlicher Mineralerde oder auch Kieselsäure vollzogen. Solche Weine darf also auch ein Veganer problemlos trinken.

Was versteht man unter veganer Ernährung?

Während der Vegetarismus lediglich auf Fleisch und Fisch bei der Ernährung verzichtet, geht der Veganismus noch einen Schritt weiter und lehnt jegliche tierischen Produkte komplett ab. Dazu gehören auch Milchprodukte, Eier und sogar Honig. Neben den strikten Veganern gibt es auch noch eine Reihe verschiedener Ausprägungen des Vegetarismus, wie etwa Lacto-Vegetarier, die Milchprodukte zu sich nehmen, Ovo-Vegetariern, die Eier essen, aber keine Milchprodukte, sowie Ovo-Lacto-Vegetarier, die lediglich auf Fleisch und Fisch verzichten.

Vegetarier im klassischen Sinne gibt es schon seit Pythagoras, der den Vegetarismus begründete und neben Fleisch und Fisch auch auf Eier und Milch verzichtete. Unter den Deutschen zählen knapp eine halbe Millionen Menschen zu den Veganern, während ungefähr 5 Millionen sich vegetarisch ernähren.

Ist Wein für Veganer geeignet?

Grundsätzlich ist Wein ein rein pflanzliches Erzeugnis, allerdings werden bei der Produktion einiger Weine auch tierische Produkte eingesetzt. Dazu gehören etwa Gelatine oder Bestandteile von Fischen (besagte Fischblase), um den Wein zu klären. Auch Milchprotein und Albumin kann im Wein enthalten sein oder zur Herstellung von Wein verwendet werden. Ganz ähnlich ist es auch bei Fruchtsäften, hier wird ebenfalls bei einigen Sorten Gelatine in der Produktion verwendet, um den Saft zu klären.

In solchen Fällen ist der Wein nicht für eine vegane Ernährung geeignet. Allerdings können statt dieser tierischen Produkte auch Bentonit, Mineralerde oder Kieselsäure eingesetzt werden. Solche Weine können problemlos auch von Veganern getrunken werden.

Wie findet man einen veganen Wein?

Seit dem Jahr 2012 müssen laut einer Richtlinie der Europäischen Kommission Bestandteile von Milch und Eiern im Wein auf dem Etikett aufgeführt werden, um somit allergischen Reaktionen vorzubeugen. Für Gelatine im Wein gibt es allerdings noch keine Kennzeichnungspflicht.

Anders sieht dies in Großbritannien aus, hier gibt es in den Co-op Lebensmittelgeschäften schwarze Etiketten auf Produkten, die für eine vegane Ernährung geeignet sind. Dazu gehört auch Wein. Auch eine Ampelkennzeichnung, welche den Fettgehalt in Lebensmitteln kennzeichnet, kann hier für Veganer wertvolle Rückschlüsse liefern. In Deutschland ist dies jedoch nicht der Fall.

Deutsche Konsumente sind daher darauf angewiesen, ihren Wein bei kompetenten Weinhändlern oder in entsprechenden Internet-Shops zu kaufen, wenn sie Wert auf eine strikt vegane Ernährung legen. Einige Weingüter sind besonders stolz darauf, sämtliche Erzeugnisse ohne Verwendung von tierischen Produkten zu produzieren. Dazu gehören etwa das ökologische Weingut Neumer, das Weingut Nico Scholtens oder das ökologische Weingut gänz, welches auch mit dem deutschen Vegansiegel ausgezeichnet ist.

Im Zweifelsfall können kompetente Fachhändler oder die Winzer selbst Auskunft darüber geben, ob ihre Produkte auch für Veganer geeignet sind. Hat man erstmal solch einen vertrauenswürdigen und kompetenten Lieferanten gefunden, kann man sich mehrere Weinezum Probieren bestellen und so den veganen Stamm-Wein entdecken.

Wie auch immer: Sich über seine Ernährung Gedanken zu machen ist kein Fehler. Deshalb finde ich Vegetarismus oder Veganismus unterstützenswert und verzichte weitest gehend auf Fleisch und Fisch. Ihr auch?

Beste Grüße,
Euer Paul

Es ist Spargelzeit….und was soll ich trinken?

Ich bin ein riesengroßer Spargelfan, und somit habe ich mich dieses Jahr besonders darauf gefreut, die weißen Stangen endlich auf dem Markt und an den kleinen Buden an den Straßen zu entdecken. Hat ja lange genug gedauert dieses Jahr, bis mal verlässlich genug die Sonne geschienen hat.

Nun denn, der Frühling scheint tatsächlich da zu sein und nun heißt es für mich bis zum 24. Juni, dem Johannisfest und offiziellem Ende der Spargelsaison, Gas geben in Punkto Spargelkochen! Doch dieses Jahr stehe ich vor einem ganz neuem Problem: die alt hergebrachte „Flasche Weißwein“, die ich sonst so unbesonnen einfach aus dem Supermarktregal angelte, taugt mir auf einmal nicht mehr. ich brauche etwas anderes, etwas, das genau zum Spargel passt und mit dessen feinen und doch recht individuellem Aroma harmoniert. Das Deutsche Weininstitut (DWI) empfiehlt vor allem den Silvaner. Denn es sind besonders die leichten, nicht zu allkoholreichen Weine, welche besonders gut mit dem Spargel, besonders wenn er leicht und frisch zubereitet wird, korrespondieren. Und diese Eigenschaften vereint der Silvaner in sich. Und wenn schon Silvaner, dann natürlich Frankenwein oder auch Weine aus Rheinhessen. Denn vor allem in Franken wachsen die besten deutschen Silvaner schlecht hin heran. Traditionsbetriebe wie beispielsweise das „Weingut am Stein“ bieten einige von Deutschlands besten Silvanern an, wofür sie jedes Jahr prämiert werden.  Als Alternative kann man auch zum Gutedel, einer badischen Rebsorte mit dezenten Noten, greifen.

Wenn man jedoch eher zur cremigen Hollandaise bzw. Bearnaise Sauce greift, dann darf es auch schon mal gerne ein Weißburgunder sein, welcher mit seinem Schmelz die Cremigkeit der Sauce noch einmal unterstreicht. Man sollte jedoch darauf achten, dass der Weißburgunder nicht im kleinen Holzfass, d.h. Barrique Fass, ausgebaut wurde, denn dann könnte das Holzaroma leicht den feinen Spargel übertünchen. Wenn es Fleisch zum Spargel gibt, wie z.B. Kalbsmedaillons oder Schnitzel, eignet sich ein Weiß- oder sogar ein Grauburgunder als Partner hervorragend.

Copyright by Wikipedia/Takeaway

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Auch ein fruchtiger, trockener Rivaner aus Rheinhessen passt zum Spargelessen, besonders wenn der Spargel mit Fisch oder Krustentieren wie z.B. Jacobsmuscheln, serviert wird. Der einziger Ausreisser ist jedoch der grüne Spargel. Diesen kann man gerne auch mit einem eher kräftigen Rosé-Wein, wie z.B. einem Spätburgunder Rosé paaren. Der Geschmack der grünen Stangen ist nämlich wesentlich kräftiger und würziger als die seines weißen Bruders, weswegen er mit einem kräftigen Partner gut zurecht kommt. Ist ja ähnlich wie bei den Menschen.

Ein totaler Faux Pas ist daher Rotwein zum Spargel oder gar Bier. Die Säure des Rotweins und die markanten Aromen stören genauso wie die Kohlensäure und der herbe Geschmack des Bieres.  Ich freu mich schon auf unser erstes großes Spargelessen sowie die dazu gehörigen Weine zu kaufen und wahrscheinlich werde ich sogar ein wenig herum experimentieren, ob mir jetzt Silvaner, Gutedel oder doch Weißburgunder mehr zusagt. Bis zum 24. Juni sind es ja zum Glück noch ein paar Wochen in denen ich im Land des Spargels und der Weißweine schwelgen kann.

Liebe Grüße, Paul!

Ein Wein als Einstiegsdroge in die Welt des Riesling

Seitdem ich mitten im Rhein-Main Gebiet und damit umgeben von Weinbergen wohne, erkunde ich mit meiner Freundin an Wochenenden gerne die traditionellen deutschen Weinbaugebiete. So zum Beispiel am Wochenende, als wir vor dem Besuch des Germania-Denkmals noch einmal auf einem der wichtigsten Weingüter Deutschlands vorbei schauten…

Quelle: schloss-johannisberg.de

Quelle: schloss-johannisberg.de

Keine Frage, das Weingut Schloss Johannisberg ist DIE Bastion deutscher Wein-Kultur. Hier mitten im Rheingau, genau auf dem 50. Breitengrad liegend, wurde die Spätlese erfunden, hier wurde zuerst auf Riesling gesetzt und hier wurde das einzigartige Potenzial der Lage “Schloss Johannisberg” schon früh erkannt. Ursprünglich als Benediktinerkloster erbaut, erfreut der massive und dennoch elegante Bau heute Weinfreunde aus aller Welt mit einem fantastischen Ausblick über das geschichtsträchtige Rheingau und vorzügliche, zeitlose Weinen.

Schon Heinrich Heine entschied sich für Wein aus dem Johannisberg und kam zu dem Schluss: “Wenn ich (…) Berge versetzen könnte, der Johannisberg wäre just derjenige Berg, den ich mir überall nachkommen ließe.” Das Weingut Schloss Johannisberg hat also Tradition, die Weine durften in der Vergangenheit in keinem Adelshaus Europas fehlen. Die edlen Spätlesen haben den deutschen Riesling bis weit über die Grenzen Deutschlands berühmt gemacht. Als die Benediktiner Mönche damals die Trauben ernten wollten, schickten sie einen Kurier zum damaligen Besitzer des Schlosses, dem Fürst-Bischof zu Fulda, um dessen Einverständnis einzuholen. Die Reise des Kuriers dauerte länger als geplant. So geschah es, dass bei Rückkehr des Kuriers die Trauben am Stock schon begonnen hatten zu faulen. Der findige Kellermeister verarbeitete die Trauben jedoch beherzt und schuf so die bis heute beliebte Stilrichtung der Spätlese.

Und heute?

Heute hat sich auf Schloss Johannisberg wirklich ein Team gefunden. Der äußerst charmante Christian Witte treibt seine Mannschaft jedes Jahr zu Höchstleistungen an, was dann auch verdientermaßen 2009 vom Gault Millau mit der Auszeichnung Wein-Kollektion des Jahres geehrt wurde. 2004 erst übernahm er das Amt von Wolfgang Schleicher. Seitdem wird das rund 100 Hektar große Weingut Schloss Johannisberg, von ihm mit Erfolg geführt. Einige Änderungen gehen auf Wittes Konto: das Abschaffen von Literflaschenabfüllung, die Einführung eines ersten Gewächses sowie die Ausweitung des Holzfassausbaus. Wer einmal am Weingut Schloss Johannisberg vorbeikommt, spürt, was passiert, wenn Tradition auf ein hochmotiviertes und top-ausgebildetes Team mit jungem Verwalter trifft – jeder Wein begeistert und jeder Wein besticht durch seine brillante Frucht, ohne dabei zu überbordend aufzutreten. Die Weine dürfen in Ruhe reifen und haben die Ehre, in Fässern aus originaler Johannisberger Eiche bis zu ihrer Perfektion zu lagern. Schon beim Gelblack, den das Team liebevoll auch als “Einstiegsdroge” bezeichnet, wird pures Understatement deutlich – Gelblack steht für die “Basisqualität” und über einen solchen Wein würden sich andere Betriebe am obersten Ende Ihres Sortiments freuen.  Die höheren Qualitäten werden als Rot-, Grün-, und Silberlack, welcher für das erste Gewächs steht, bezeichnet. Die herausragenden edelsüßen Gewächse haben wiederum andere Farbbezeichnungen. Alles in allem ein eigenes System für charakterstarke und gebietstypische Weine.

Es kann also nur geraten werden: Probiert mal den Wein, von dem Goethe einst schon schwärmte. Zudem ist das Schloss Johannisberg absolut einen Besuch wert, wie ich mich am letzten, ersten, Sommerwochenende in unseren Breitengraden überzeugen konnte…

Beste Grüße,
Euer Paul

Wein und Rast – eine Idee, viele Fragen

Es gibt ja zum Glück immer wieder neue Ideen und Strömungen. Manche funktionieren, manche ebben nach einer ersten Euphorie schnell wieder ab und wieder andere setzen sich nie durch. Vinotheken an aussergewöhnlichen Orten zum Beispiel.  Und was musste ich da letztens lesen? „Fränkische Winzer eröffnen erste deutsche Autobahn Vinothek“ titelte eine große, deutsche Tageszeitung. Die Vinothek einer großen fränkischen Genossenschaft an einer Würzburger Autobahnraststätte soll vor allem Bayerntouristen und Reisebusse anlocken. Nicht dass ich gegen die Verbreitung von Wein bin, nein natürlich nicht. Aber trotzdem stellten sich mir bei dieser, naja sagen wir merkwürdigen, Geschäftsidee einige Fragen.

Zum einen: Warum sollen Autofahrer Alkohol bzw. Wein kaufen? Ich will jetzt nicht mit erhobenem Zeigefinger böse Vorwürfe machen, denn an jeder normalen Tankstelle gibt es ja auch alkoholhaltige Getränke, aber ein wenig abstrus ist diese Idee schon. Vinotheken sind ja aus meiner Erfahrung vor allem zum gemütlichen Probieren von Weinen da, fern ab vom schnellen „in den Einkaufswagen packen“. Es bleibt zu hoffen, dass die Autofahrer ihren Beifahrern bei der Verkostung den Vortritt lassen.

Nächste Frage: ist Franken etwa so hässlich, dass man nicht mal kurz die Autobahn verlassen kann um in die Region herein zu fahren? Ich war selber leider noch nie dort, habe mir daher ein paar Fotos angesehen und bin zu dem Schluss gekommen: Franken ist wunderschön! Eine der ältesten deutschen Weinlandschaften, herrliche alte Schlösser und nette Städtchen. Imposante Weinberge und Bocksbeutel, überall Bocksbeutel. Es wäre meiner Meinung nach eine Schande, der Region Franken lediglich am Rande der A3 die Ehre zu erweisen. So viel Zeit muss sein oder?

Festung Marienberg in Würzburg, alte Mainbrücke im Vordergrund      Copyright by Wikipedia/ VisualBeo

Festung Marienberg in Würzburg, alte Mainbrücke im Vordergrund Copyright by Wikipedia/ VisualBeo

Ist das Konzept zukunftsfähig? Man weiß es noch nicht so genau. Die Kunden sind bislang vorrangig Tankstellenbesucher oder Toilettengänger, dank einer Gutscheinverteilenden Sanitärfirma gibt es auf eben dieser Rastsätte eine ganze Menge davon. Auch die Reisebusse werden mit Sicherheit anhalten. Aber ob die Gäste die Weine hier, wie sonst oft üblich, Kartonweise zurück in den Bus tragen? Das wird die Zeit zeigen, zunächst öffnet die Vinothek eh nur probehalber. Vinotheken an aussergewöhnlichen Orten und in lockerer Umgebung, ohne große Hemmschwellen, auch für den nicht Wein-Kenner, das finde ich super! Laut Beschreibungen ist der Blick von der Raststätte auf das nahe Würzburg und die Weinberge einmalig und veranlasst viele Autofahrer, mal kurz anzuhalten. Ich wünsche der Winzergenossenschaft natürlich Erfolg und werde die Entwicklung verfolgen. Auf einem meiner nächsten Trips gen Süden werde ich vermutlich auch mal dort anhalten und einen Wein probieren. Ach nein das geht ja leider nicht, ich muss ja fahren.

Also dann: gute Fahrt und Wohl bekomm’s!

Back to the roots! Oder: was hat es eigentlich mit diesen Amphoren auf sich?

Seit einiger Zeit stoße ich immer wieder Im Netz und in der einschlägigien Fachliteratur auf Berichte oder Verkostungsnotizen über sog. Amphorenweine. Die einen loben diese Weine in den Himmel, die anderen meckern über die erdigen Töne. Amphorenwein klingt immer ein wenig nach Mittelaltermarkt wie ich finde, und deswegen möchte ich jetzt an dieser Stelle einfach mal informieren, was es mit diesen Amphorenweinen auf sich hat.

Amphorenweine werden auch als Quevri-Weine bezeichnet, da die Amphoren ursprünglich aus Georgien stammen, wo sie eben als Quevri bezeichnet wurden. Die Quevris sind riesige Tongefäße, innen mit einer Schicht aus Bienenwachs ausgekleidet, um die allzu großen Poren zu verschliessen. Die Quevris werden nach der Ernte mit den entrappten Trauben gefüllt und vergraben! Ja wirklich, man vergräbt diese riesigen Tongefäße unter der Erde und überlässt sie dann quasi sich selbst. Innerhalb der Tongefäße fangen die Trauben langsam aber sicher an zu gären.

Copyright by Wikipedia/Traubenberger

Mögliche Größe eines Quevri – Copyright by Wikipedia/Traubenberger

Innerhalb von etwa einem halben Jahr werden die Trauben zu Wein. Man spricht deswegen auch von „Weinwerdung“ anstatt von „Weinbereitung“, da der Mensch hier gänzlich wenig zutut, um den Wein enstehen zu lassen. Die Temperatur und der Sauerstoffgehalt ist unter der Erde konstant gleich. Durch den Ton gelangt grade so viel Luft an die Trauben, dass es für eine sanfte Mikrooxidation ( kontinuierliche Zugabe von Sauerstoff zur Farbstabilisierung und Gerbstoffverfeinerung) ausreicht. Durch den ständigen Kontakt zu den Traubenschalen werden gänzlich alle Polyphenole und Farbstoffe aus den Trauben ausgelaugt. Das Ergebnis ist laut den Beschreibungen ein so ganz anderer Wein, als es der mitteleuropäische Gaumen gewöhnt ist. Mit den konventionell hergestellten Massenweinen hat der Amphorenwein kaum etwas zu tun. Zudem ist er, auch geöffnet und dunkel und kühl gelagert, Monate haltbar, so stabil soll er wohl sein. Welcher Wein kann das schon von sich behaupten?! Dieser Wein schmeckt wie Wein, den es vor Jahrtausenden schon gab. Geschichte pur!Ich finde diese altertümliche Art der Weinbereitung hoch interessant. Manchmal ist weniger eben mehr.

Entstanden ist diese älteste Art der Weinbereitung wohl gleichzeitg mit der Entwicklung der Töpferskunst. Im Neolithikum begann man mit dem Vergraben der Amphoren und schon damals waren die daraus enstehenden Weine hoch geschätzt. In Georgien wird diese alte Kunst noch immer vo einigen Winzern betrieben, und auch im Rest Europas gibt es mitlerweile einige Winzer, die Amphorenwein herstellen. Der biodynamisch arbeitende Winzer Bernhard Ott aus Österreich beispielsweise, oder Josko Gravner aus Italien. Ein großes Problem ist jedoch die Verfügbarkeit der Quevris. Nur wenige Töpfer beherrschen die Handwerkskunst, die riesigen Gefäße herzustellen. In Georgien sind es scheinbar lediglich noch 5 Menschen überhaupt, die Amphoren herstellen können. Das erklärt dann auch die ziemlich hohen Preise und die limitierte Verfügbarkeit der Weine bei uns.

Zum Thema des biodynamischen Weinbaus passen die Weine aus den historischen Quevris extrem gut. Im Weinberg schon arbeiten die Reben autonom, werden vom Winzer nur in ihren Kräften unterstützt und gestärkt, und ebenso dann in der Amphore. Back to the roots also!

Wenn ich die Gelegenheit bekomme, dann werde ich definitv einen Amphorenwein probieren, dieses Geschmackserlebnis und diese Rückführung in vergangene Zeiten will ich mir nicht entgehen lassen.